Ich will euch von meiner Reise nach Oregon erzählen, genauer gesagt in die Gegend um Portland und das wunderschöne Hood River Valley. Diese Region ist nicht nur für ihre atemberaubende Aussicht auf den Mount Hood bekannt, sondern auch als eines der faszinierendsten „Honig-Ökosysteme“ der Welt.
Meine Reise führte mich entlang des berühmten Fruit Loop, einer 35 Meilen (56 km) langen Strecke voller Obstgärten. Der Fruit Loop ist Teil des Hood River Valley und eine markierte Route, die durch die malerische Landschaft des Tals führt. Die Route bildet eine imaginäre Schleife, die in der Kleinstadt Hood River beginnt und endet. Der Fruit Loop umfasst etwa 28 Stationen, darunter:
Obstgärten: Vor allem Birnen (die Region ist weltweit führend in der Produktion der Birnensorte Anjou), Äpfel, Kirschen und Pfirsiche.
Weingüter und Cider-Kellereien: Verkostung lokaler Weine und handwerklich hergestellter Cider.
Lavendelfarmen: Wunderschöne Felder zum Fotografieren und Ernten.
Bauernläden: Möglichkeit, frisches Obst, hausgemachte Kuchen, Marmeladen, Honig oder Blumen zu kaufen.
Hier, in dieser fruchtbaren Gegend, habe ich gelernt, dass Honig viel mehr ist als nur ein Süßungsmittel – er ist die flüssige Essenz der Landschaft. Darüber werden wir später noch sprechen. Aber ich habe auch festgestellt, dass es hier ganz außergewöhnliche Sorten gibt:
Ich war persönlich bei Packer Orchards & Farm Place. Diese Farm wird seit 1924 als Familienbetrieb geführt und man spürt dort sofort die Liebe zum Handwerk. Was mich dort besonders beeindruckt hat, war die Reinheit und Qualität ihres Birnenhonigs (Honig aus Birnenblüten). Er ist unglaublich hell, fein und hat eine ganz dezente Fruchtnote, die man so nirgendwo anders findet. Es ist faszinierend, wie die Bienen den Geschmack der umliegenden Birnenplantagen direkt in das Glas bringen. In Kombination mit ihren frisch gebackenen „Hand Pies“ (Handkuchen) war dieser Honig für mich das absolute kulinarische Highlight des Besuchs.
Und was meinte ich damit, dass Honig hier viel mehr ist als nur ein Süßungsmittel? Habt ihr schon einmal von dem Begriff „Bestäubung“ gehört? Nein? Dann lest bitte weiter.
Ein ganz besonderes Erlebnis war der Besuch bei Bee Way Honey Pollination. Hier habe ich die Welt der professionellen Bestäubung kennengelernt. Die Firma wurde von Leonid Zaitsev gegründet, der ursprünglich aus Odessa (Ukraine) stammt und sich hier seinen „American Dream“ aufgebaut hat. Sein Betrieb wird sogar mit Solarenergie betrieben!
Ich habe dort viel darüber gelernt, wie unterschiedlich die Imkerei in den USA im Vergleich zu Europa ist:
Wanderimkerei im großen Stil: In Amerika werden tausende Bienenstöcke auf LKWs verladen und über tausende Kilometer transportiert – zum Beispiel zur Mandelblüte nach Kalifornien. Das ist eine richtige Logistik-Operation! In Europa bleiben die Bienen meist viel stationärer.
Bestäubung als Dienstleistung: Während bei uns in Europa der Verkauf von Honig im Vordergrund steht, verdienen amerikanische Imker wie Bee Way Honey Pollination ihr Hauptgeld mit der Bestäubungsgebühr. Die Farmer „mieten“ die Bienen für ein paar Wochen, damit die Ernte gesichert ist.
Bienen als Nutztiere: Da die Honigbiene in Amerika nicht heimisch ist (sie wurde erst im 17. Jahrhundert aus Europa eingeführt), wird sie dort fast wie Vieh betrachtet – hoch effizient und perfekt organisiert.
Es war faszinierend zu sehen, wie diese Millionen von „kleinen Arbeitern“ von den Obstgärten in Hood River vielleicht schon bald weiter zu den Blaubeerfeldern im Willamette Valley oder zur nächsten großen Station reisen. Für mich war es ein unglaublicher Einblick in ein System, das unsere Supermärkte erst füllt.
Ich stelle mir diese ganze lange „Fruit Loop“ mit ihren endlosen Obstgärten vor. Sie ist also wirklich darauf angewiesen, dass die Blüten von Birnen-, Kirsch-, Heidelbeer- und anderen Bäumen und Sträuchern rechtzeitig bestäubt werden. Die eigenen Bienenbestände der lokalen Landwirte reichen dafür oft nicht aus, und deshalb gibt es Firmen wie Bee Way Honey Pollination. Clever. 👏
Dimensionen und Mobilität: In der Schweiz ist die Imkerei viel kleinräumiger. Unsere Imker sind meist sesshaft oder wandern nur über kurze Distanzen, zum Beispiel von den Tälern in die Alpen zur Alprauschblüte. In den USA hingegen ist es ein gigantisches Logistikgeschäft. Firmen wie Bee Way Honey Pollination laden tausende Stöcke auf riesige Sattelschlepper und fahren sie quer durch den Kontinent. Das wäre in der Schweiz allein wegen der Geografie undenkbar.
Wirtschaftlicher Fokus: Bei uns in der Schweiz steht die Produktion von Qualitätshonig (wie Wald- oder Alpenblütenhonig) absolut im Vordergrund. Die Bestäubung der Bauernhöfe passiert oft „nebenbei“ durch lokale Imker aus der Nachbarschaft. In Amerika ist die Bestäubung eine bezahlte Dienstleistung und die Haupteinnahmequelle. Ohne diese „Wanderbienen“, die pünktlich zur Blüte gemietet werden, würde die industrielle Landwirtschaft in den USA kollabieren.
Staatliche Strukturen vs. Freier Markt: In der Schweiz ist die Imkerei stark in lokalen Vereinen organisiert und wird oft als wertvolles Hobby oder Nebenerwerb mit Fokus auf Naturschutz betrieben. In den USA ist es ein knallhart kalkulierter freier Markt. Ein Imker dort ist weniger ein „Naturfreund mit Pfeife“ und viel mehr ein Manager eines riesigen Logistikunternehmens, der genau berechnen muss, ob sich der Diesel für den Transport nach Kalifornien lohnt.
Biodiversität: Was mir auch auffiel: In der Schweiz legen wir viel Wert auf den Schutz der Wildbienen und die Vielfalt der Trachten. In den amerikanischen Monokulturen, wie den riesigen Obstplantagen im Hood River Valley, sind die Bienen für eine kurze Zeit einem extremen Überfluss einer einzigen Sorte ausgesetzt und müssen danach sofort weiterziehen, um nicht zu verhungern.
Es war für mich ein echter Augenöffner zu sehen, dass die wunderschönen Früchte, die wir im Supermarkt kaufen, in den USA auf einer so intensiven und mobilen „Bienen-Arbeit“ basieren, während wir in der Schweiz noch ein viel traditionelleres und statischeres Bild der Imkerei pflegen.
Ich wollte euch noch zeigen, wie viel das Bestäuben von Obstplantagen durch Bienen ungefähr kostet – wer daran interessiert ist, liest einfach weiter
Die Bestäubung im Hood River Valley ist ein faszinierendes logistisches Unterfangen. Die Landwirte mieten dort tatsächlich Bienen in großem Umfang an, da die natürliche Bienenpopulation für diese Tausenden Hektar Obstplantagen nicht ausreichen würde.
Der Preis wird pro Bienenstock (Kolonie) berechnet:
Durchschnittlicher Betrieb: Bei einem typischen Familienbetrieb von ca. 16 Hektar zahlt der Farmer pro Saison etwa 3’600 CHF bis 7’200 CHF für die Bienenmiete.
Die Bienen bleiben nicht die ganze Saison im Garten, sondern nur während der Blütezeit (Bloom Window).
Interessant ist, dass diese Bienen „Wanderarbeiter“ sind. Im Februar/März bestäuben sie Mandeln in Kalifornien (wo die Miete für einen Bienenstock bis zum Doppelten kosten kann), im April ziehen sie nach Oregon für Kirschen und Birnen um und reisen später weiter nördlich nach Washington für die Apfelernte.
Wussten Sie schon? Birnennektar ist nicht sehr süß. Manche Bauern besprühen ihre Bäume mit Zuckerwasser, um die Bienen zu motivieren, bei den Birnen zu bleiben und nicht zu attraktiveren Wildblumen in der Umgebung abzuwandern. 😀
Ich bin dankbar, dass ich die Natur Oregons in der Umgebung des Hood River Valley erkunden und viele interessante neue Dinge über Bienen, Honig und Bestäubung lernen durfte. Ich freue mich, dass ich diese Erfahrungen auf diese Weise auch an Sie, unsere treuen Kunden und Leser unserer Website, weitergeben konnte.
Ich bin dankbar, dass ich die Natur Oregons in der Umgebung des Hood River Valley erkunden und viele interessante neue Dinge über Bienen, Honig und Bestäubung lernen durfte. Ich freue mich, dass ich diese Erfahrungen auf diese Weise auch an Sie, unsere treuen Kunden und Leser unserer Website, weitergeben konnte